Katholische Kirche
St.Ulrich Kirche
Von den Anfängen der katholischen Gemeinde in Stuttgart Fasanenhof bis zum Tag der Kirchenweihe ist es zwar eine staunenswerte kurze Zeit, aber ein fast unüberschaubar langer Weg. Für die Muttergemeinde Möhringen und die junge Seelsorgestelle Fasanenhof erwuchs als große, oft schwer lastende Aufgabe, für die neue Gemeinde einen Gottesdienstraum zu schaffen. Da in der entstehenden Wohnsiedlung kein geeigneter größerer Raum zur Verfügung stand, wurde ein vorläufiger Holzbau errichtet, der fünf Jahre lang der Gemeinde zum Gottesdienst und zu Zusammenkünften diente, die Ulrichskapelle. Der Bau einer Kirche aber mußte sehr bald in die Wege geleitet werden.
Die Hauptstationen der Planung und Ausführung der Bauarbeiten waren wie folgt:
24.05.1961 Der Gutachterausschuß berät und entscheidet über die Vergabe des Auftrages. 20.09.1961 Der Vertrag über den Kauf eines Baugrundstücks von der Stadt Stuttgart wird unterschrieben.12.11.1961 In der neu errichteten Ulrichs-Kapelle feiert die Gemeinde den ersten Gottesdienst 19.01.1964 Der Grundstein der neuen Kirche wird gelegt: "St.Ulrich". 08.06.1964 Nach Abschluß der Betonierarbeiten am Turm wird das Turmkreuz errichtet.Auch drei kleine Leihglocken werden in die Glockenstube hinaufgezogen 06.11.1964 Das Richtfest der Kirche wird gefeiert.07.11.1964 Im Rohbau der Kirche wird ein Festgottesdienst gefeiert
Karfreitag 1966 Von diesem Tage an wird der Sonntagsgottesdienst im noch nicht ausgebauten Raum der neuen Kirche gehalten
Nach Vollendung des Rohbaus aber war das Weiterbauen ins Stocken geraten. Die Finanzierung kam in eine recht kritische Phase. Die finanziellen Verhältnisse waren für die junge Gemeinde von Anfang an schwierig. Ein Bauausschuß hat mit dem Architekten immer neu nach Wegen gesucht, trotz der knappen Geldmittel Kirche und Gemeinderäume aus unserer Zeit heraus für die Zukunft zu bauen. Das heutige Katholische Gemeindezentrum liegt am zentralen Platz des Stadtteils Fasanenhof inmitten einer vielgestaltigen Bebauung. Gegen die gegliederten Bauformen der Wohnhausbebauung werden die großen, ruhigen Flächen der Kirche gesetzt. Das Bauwerk entzieht sich durch seine freie Umrißform der unmittelbaren Einordnung in den rechteckigen Formcharakter der übrigen Bebauung. Seine städtebauliche Funktion ist die schmiegsame Einführung der angrenzenden Straßenräume und der Grünzone in den Europaplatz. Das relativ ebene Gelände um die Kirche ist durch leichte Anmuldung und Aufschüttung zu den plastischen Formen des Bauwerks in Beziehung gebracht. Es ergeben sich dadurch vor dem Kindergarten und dem Gemeindesaal geschützte Freiräume. Das Bauwerk gliedert sich in zwei Teile. Die Einrichtungen, Wohnungen Pfarrer, Mesner, Gemeindesaal, Kindergarten, drei Jugendräume sowie die Sakristei sind unter einem großen Flachdach, teils eingeschossig, teils zweigeschossig, angeordnet. Dieser Flachbaukörper berührt die Kirche und stößt als Empore in das Innere des Kirchenraumes. Der Kirchenraum besteht aus zwei gegeneinander gestellten Betonschalen, in die das gefaltete Dach eingehängt ist. Eine Schale umfaßt als 12m hohe Betonwand den Gemeinderaum und den Altarbezitk. Die zweite Schale ist als Turm 40m hochgeführt. Die beiden Betonschalen sind durch Glasbetonwände verbunden, die die Vorhalle umschließen. Die drei Raumteile, Gemeinderaum mit Altarbezirk, Taufstätte und Vorhalle bilden eine räumliiche Einheit, die durch das in den Raum hereinhängende, mit dunkler Holzverschalung verkleidete Dach zusammengehalten werden. Hauptlichtquelle ist das senkrecht von oben zwischen Dach und Wandschale einfallende Tageslicht. Die hell beleuchteten Betonwände stehen gegen das Lichtfarbspiel der großen Glaswände. Die Betonschalen des Kirchenraumes ist am Altarbereich, am Andachtsplatz und in der Taufkapelle durch Lichtschlitze gegliedert.
Die Bänke sind fächerförmig in drei Gruppen um den Altarbezirk angeordnet. Tabernakel, Altar und Ambo stehen im Blick der Gemeinde. Anschauliche und sinnvolle Feier der Liturgie war für die Gestaltung des Altarbezirks maßgebend. Es wurde auf Form- und Farbakzente im Altarbereich verzichtet, um den Priester, Farben und das Geschehen am Altar ganz nach vorne treten zu lassen. Einziger Kontrast zum strengen Grau des Betons ist der dunkle Holzton der Decke und des Gestühls.


